Steinbach und Umweg

Südlich von Baden-Baden am Übergang der Oberrheinischen Tiefebene in die Vorbergzone des Schwarzwaldes liegt das Städtchen Steinbach mit seinem Ortsteil Umweg. Der Ort im Schatten der sagenumwobenen Yburg bildet zusammen mit Neuweier und Varnhalt das Baden-Badener Rebland. Angeschmiegt an sanfte Rebhänge präsentiert Steinbach seinen Gästen ein schmuckes, von Blumen, Fachwerk und viel Grün geprägtes Ortsbild. Im Zentrum des rund 4000 Einwohner zählenden Gemeinwesens liegt der liebevoll sanierte und restaurierte Ortskern, dessen älteste Gebäude noch aus dem Mittelalter stammen. Überhaupt kann Steinbach auf eine lange Geschichte zurückblicken. Im Jahr 1070 erstmals urkundlich erwähnt, ist der Ort vermutlich noch einiges älter, wenn man berücksichtigt, dass in den Urkunden des Klosters Hirsau schon in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts eine Kirche erwähnt wurde. Sehr früh erfüllte Steinbach zentrale Funktion für die kleinen Gemeinden am Nordrand der Ortenau. Im Jahr 1258 erhielt das Dorf Steinbach auf Bitten des damaligen Markgrafen Rudolph von Baden durch König Richard von Cornwall die Stadtrechte verliehen. Fortan hatte man Rechtsverhältnisse, wie sie nur eine Stadt in dieser Zeit hatte.

Die Stadtrechtsurkunde nennt in zahlreichen Artikeln Rechte und Pflichten ihrer Bürgerinnen und Bürger. Wie bedeutend diese Erhebung zur Stadt für den damaligen kleinen Ort an der Südgrenze der badischen Markgrafschaft war, wird einem bewusst, wenn man bedenkt, dass der Wortlaut der Stadtrechte identisch mit den damals schon in Freiburg geltenden Vorschriften und Bestimmungen ist. Man erbaute eine Stadtmauer, die in wesentlichen Teilen bis auf den heutigen Tag erhalten ist. Zunächst zwei, später drei Stadttore boten nicht nur Schutz, sondern gaben auch die Möglichkeit, Zölle zu erheben. Dies und das Recht einen Wochenmarkt abzuhalten, sorgten für einen gewissen Wohlstand der Bürger. Mit den Jahrhunderten wuchs Steinbach und entwickelte sich zur Amtsstadt, was der Ort bis in 19. Jahrhundert hinein blieb. Das Amtshaus, heute Heimatmuseum, und die ehemalige markgräfliche Amtskellerei sind steinerne Zeugen dieser Periode. Andere wichtige Bauten aus dieser Zeit sind das Benefiziatshaus und die mehrfach um- und ausgebaute Katholische Pfarrkirche St. Jakobus. Seit über 30 Jahren ist Steinbach Stadtteil von Baden-Baden. Mit tatkräftiger Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger hat die Stadt Baden-Baden eine vorbildhafte Stadtsanierung durchgeführt. Ein verkehrsberuhigter Bereich, alljährlich Schauplatz der weit über die Region hinaus bekannten „Mittelalterlichen Winzertage“, schön sanierte Fachwerkbauten, darunter eine ehemalige Essig- und Senffabrik, und ein großzügiger Bürgerpark sind die Vorzeigeobjekte dieser Millioneninvestition.

Auf einer Anhöhe zwischen Steinbach und Umweg steht das Denkmal des mutmaßlich größten Sohnes der Stadt Steinbach. Der Baumeister Erwin von Steinbach, Erbauer großer Teile des Straßburger Münsters, stammte mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Städtchen im Norden des damaligen Bistums. Johann Wolfgang von Goethe, der an der Universität der Elsass-Metropole Rechtswissenschaften studierte, hat Erwin ein literarisches Denkmal gesetzt. Ein weiterer Name aus dem 15. Jahrhundert hat Steinbach und vor allem Umweg weit über die Grenzen Badens hinaus bekannt gemacht. Hans StichdenBuben, ein Meisterkoch am Hof des Markgrafen Karl, erhielt im Jahre 1474 für seine „allzeit getruwen und willigen Dienste zwölf Steckhaufen Reben, gelegen zu Umbwegen“ als Lehen. Die Lagebezeichnung „Stich den Buben“ hat sich bis in unsere Zeit erhalten und ist auch Namensgeber für die Winzergenossenschaft, die vor rund 25 Jahren durch Fusion aus den Genossenschaften in Steinbach und Umweg entstand. Nicht von ungefähr nennt sich der Bereich um die Stadtteile Steinbach, Neuweier und Umweg „Baden-Badener Rebland“.

Hat man doch quasi vor der Haustüre einen der größten geschlossenen Rebenbestände in Deutschland. Durch die Eingemeindung der drei Weinorte wurde Baden-Baden in den siebziger Jahren zu einer der größten Weinbaugemeinden Baden-Württembergs, wenn nicht gar Deutschlands. Schon seit Jahrhunderten prägt dieser Erwerbszweig die Gegend. Trotz Industrialisierung und dem Rückgang der Landwirtschaft ist in Steinbach und den Nachbargemeinden die Kultivierung und der Ausbau gehaltvoller Weine nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Vor allem der Riesling, der König der Weine, aber auch blaue und weiße Burgunderreben, Müller-Thurgau und neuere Weinsorten werden in den an der Badischen Weinstraße gelegenen Orten angebaut. Als einzige Orte außerhalb Frankens haben die drei Weinbaugemeinden das gesetzlich verbriefte Recht, ihren Wein in Bocksbeutel, einer besonderen, bauchigen Flaschenform, abzufüllen. Im Rahmen der schon zitierten „Mittelalterlichen Winzertage“ huldigen Steinbach und Umweg diesen edlen Gewächsen und den guten Tropfen, die aus ihnen gewonnen werden.

Landschaftlich reizvoll und zentral zwischen Karlsruhe, Offenburg, dem Elsass und dem Schwarzwald gelegen, hat sich der Ort zu einer lebens- und liebenswerten Wohngemeinde vor den Toren Baden-Badens entwickelt. Sich stetig aufwärts entwickelnd, konnte Steinbach bei sehr guter Infrastruktur und regem Vereinsleben seinen dörflich-ländlichen Charakter bewahren. Durch die Erschließung neuer Bauflächen wurde die Einwohnerzahl in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesteigert. Die gerade begonnene Bebauung einer ehemaligen Fabrikfläche wird weiteren Wohnraum für junge Familien schaffen. Ferien- und Urlaubsgäste sind in Steinbach und Umweg wie im ganzen Rebland zu allen Jahreszeiten willkommen. Eine sehr gute Gastronomie und Unterkünfte vom Privatzimmer über Ferienwohnungen bis hin zu Hotels sorgen für das Wohl der Urlauberinnen und Urlauber. Ein Abstecher, nicht nur zu den Mittelalterlichen Winzertagen, lohnt also auf jeden Fall.