Steinbachs Geschichte

Dort wo der gleichnamige Bach aus der Vorbergzone des Schwarzwaldes hervortritt und dem Rhein zustrebt, liegt das Städtchen mit seinem Ortsteil Umweg. Die ehemals selbständige Stadt Steinbach ist seit 1972 Stadtteil von Baden-Baden. Erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1070, ist Steinbach mit Sicherheit wesentlich älter. Denn die Aufzeichnungen des Klosters Hirsau bezeugen bereits bei dieser Ersterwähnung eine Steinkirche im Ort. Auch die strategisch günstige Lage und die Kreuzung zweier Römerstraßen wenige Kilometer vor Aquae, wie Baden-Baden bei den Römern hieß, deuten darauf hin, dass schon sehr früh eine Siedlung am Bachufer entstanden war. Die Lage am Südrand der damaligen Markgrafschaft Baden führte im August des Jahres 1258 dazu, dass König Richard von Cornwall Steinbach zur Stadt erhob. Markgraf Rudolf I. hatte den von der britischen Insel stammenden deutschen König um diese Erhebung gebeten. Steinbach erhielt das gleiche Stadtrecht, wie es in Freiburg bereits längere Zeit galt. Unter anderem durfte eine Stadtmauer gebaut und ein Wochenmarkt abgehalten werden. Die ehemalige Römerstraße wurde wohl absichtlich so gelegt, dass die Reisenden und vor allem die Händler durch Steinbach fahren mussten und so Zoll erhoben werden konnte. Am südlichen, dem Bühler oder Basler Tor ist noch das Zollhaus erhalten, das mit dem daneben liegenden Gebäude zum Amtshaus vereinigt wurde und heute das Rebland-Museum für die Orte Steinbach, Neuweier und Varnhalt beherbergt.

Zum Zeitpunkt der Stadtgründung war der mutmaßlich größte Sohn der Stadt, Meister Erwin von Steinbach, schon etwa 14 Jahre alt. Dieser Erwin, der Schöpfer der Westfassade des Straßburger Münsters, wurde mit einiger Wahrscheinlichkeit in Steinbach geboren. Leider fehlen bis heute schriftliche Belege. Seine Herkunft wird jedoch von vielen anerkannt. Erwin lebte von 1284 bis zu seinem Tod im Januar 1318 in Straßburg und ist unmittelbar am Münster begraben. Johann Wolfgang von Goethe hat während seiner Studienzeit in der Elsaß-Metropole das Werk Erwins kennen gelernt und ihm ein dichterisches Denkmal gesetzt. Eine andere über die Region hinaus bekannte Figur ist der Meisterkoch Hanns StichdenBuben. Er war am Hof von Markgraf Karl I. und wurde von diesem im Januar 1474 ob seiner „allzeit willigen und getruwen Dienste“ mit kleinen Ländereien um Steinbach herum belehnt. Unter anderem 12 Steckhaufen Reben „gelegen zu Umbwegen“ und zwei Tagwerke Wiesen in den Schneidmatten (an der heutigen Bahnlinie nördlich des Gewerbegebietes). Stich den Buben ist die älteste Einzellage in den Reben um Steinbach. Sie gehört zu den unter Weinkennern bekanntesten und wohl auch ältesten Lagebezeichnungen in Baden. Die Winzergenossenschaft Steinbach und Umweg, die ihren Sitz nur wenige Meter von dem Gewann entfernt hat, führt seit einigen Jahren die Bezeichnung „Winzerhaus Hans StichdenBuben e.G“.

Steinbachs Geschichte war in den Jahrhunderten nach der Stadtgründung sehr wechselvoll. Die Lage am Südrand der Markgrafschaft war nicht nur ein Segen. Nahezu jedes Kriegsereignis am Oberrhein zog auch das kleine Städtchen in Mitleidenschaft. So wurde Steinbach während des Dreißigjährigen Krieges im Januar 1643 und in Folge des Pfälzischen Erbfolgekrieges im August 1689 zerstört. Diesen Zerstörungen und Bränden fielen auch alle Kirchenbücher vor dem Jahr 1696 zum Opfer. Ein lebendiges Zeugnis Steinbacher Stadtrechts ist das 1748 verfasste Privilegien- und Gerechtigkeitsbuch, das sehr detailliert nahezu alle Situationen und Fragen des Zusammenlebens in der Gemeinde regelte. Das Buch ist erhalten und befindet sich in der Ortsverwaltung. Zwei Bodenschätze von besonderem Wert wurden im Kirchspiel Steinbach abgebaut. Im Mittelalter waren die Mühlsteine aus Steinbach – gebrochen in den Steingruben oberhalb des heutigen Ortes Varnhalt – landauf, landab bekannt und ihre Nutzung sogar vom Straßburger Bischof für alle Mühlen im Bistum vorgeschrieben. So führt Steinbach bereits seit 1363 den Mühlstein im Wappen. Von der Mitte des 18. Jahrhunderts an wurde beinahe 100 Jahre lang Steinkohle in Umweg abgebaut. Die Stollen waren teilweise bis ins 20. Jahrhundert erhalten. Das Grubenhaus ist heute Wohnhaus.

Mit der Aufhebung der Ämter Steinbach und Stollhofen und der Zusammenlegung im benachbarten Bühl begann der Stern der Gemeinde als Amtsstadt zu sinken. Nach der Säkularisation wurden in den Jahren 1806 bis 1814 die ausgedehnten Steinbacher Wälder aufgeteilt und an die umliegenden Gemeinden vergeben. Die dadurch entstandenen Exklaven bzw. Enklaven sind noch heute als Flickenteppich auf der Gemarkungskarte erkennbar. Große Auswanderungswellen nach Übersee, die in Zeiten bitterer Not ganz Baden und den deutschen Südwesten erfasst hatten, forderten auch ihren Tribut von der Steinbacher Bevölkerung. Der Bahnanschluss an die Linie Karlsruhe-Basel und ein kleines Gewerbegebiet ließen neben dem Weinbau in der Stadt im 19. und 20. Jahrhundert einen gewissen Wohlstand aufkommen. Mit einer Ziegelei, einer Essig- und Senffabrik und anderen kleinen Gewerbebetrieben waren auch Arbeitsplätze vorhanden.

Heute ist Steinbach ein moderner Stadtteil mit guter Grundversorgung, mittelständischem Gewerbe, ausgedehnten Rebflächen und attraktiven Wohngebieten am Fuße des Schwarzwaldes. Über 4.000 Menschen wohnen in Steinbach und bilden so ein lebendiges und lebenswertes Gemeinwesen, das nicht zuletzt von den rund 30 Vereinen, die der Ort aufweisen kann, getragen wird. Seit 2004 bilden die Baden-Badener Stadtteile Neuweier und Varnhalt mit Steinbach zusammen die Ortschaft Rebland, die über 8.100 Einwohner hat.